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Wir haben uns ein Haus gebaut

 

In den warmen Herbsttagen zu Beginn des Schuljahres machten sich unsere Drittklässler zwei Wochen lang täglich auf den Weg zur Jugendfarm Elsental, um dort für eine Kleinkindergruppe ein Lehmhäuschen zu errichten. In großen Wannen mussten die schweren Lehmklumpen, die wir zuvor aus einer nahen Lehmgrube geholt hatten, zuerst zerkleinert und dann kräftig mit Wasser und Stroh vermengt werden. Da galt es anzupacken mit Händen und Füßen! Wenn mal wieder ein Schüler im Lehmbrei stecken blieb, brauchte es manche Arme, um ihn mit einem freudigen „Hau- Ruck“ wieder aus dem Sumpf zu befreien. Der Lehmbrei wurde dann von innen und außen an ein Drahtgerüst gedrückt und glatt verstrichen. Auch das Dach wurde mit Lehm bedeckt.
 
Völlig verschmiert - aber glücklich - betrachteten wir jeweils am Ende eines Vormittags das getane Werk. Bei einem kleinen Richtfest zum Abschluss bedankten sich die Mitarbeiter der Jugendfarm für das schön gestaltete Häuschen, das Dank der vielen fleißigen Hände „fristgerecht“ fertig gestellt werden konnte.
Die weite Obstwiese rings herum lockte natürlich manchen Schüler zu Entdeckungsreisen. Doch erst die Arbeit! Und am Ende des Morgens spielten wir gemeinsam auf der Wiese.
 

Solch ein Erlebnis kann den Schülern in der anbrechenden Entwicklungsphase um das neunte Lebensjahr eine Unterstützung sein und als Wahrbild dienen. So wie die Kinder beim Hausbau erleben, dass durch das Aufrichten der Wände ein Innenraum entsteht, so beginnen sie in diesem Alter verstärkt die Trennung von Ich und Welt zu fühlen. Sie wollen und müssen sich abgrenzen, um im eigenen Innenraum ihr Eigenwesen zu entdecken. Außerdem erleben die Kinder, auf welch festem Fundament sich ein Haus gründen muss. Durch das Tätigsein in den verschiedenen Handwerkerepochen in der dritten Klasse haben die Kinder die Möglichkeit sich tatkräftig mit den Dingen in der Welt auseinanderzusetzen.

 

Bei uns steht in diesem Jahr an: Schmieden und Schreinern, Ackerbau, Wollverarbeitung und Schuhe herstellen.

Am Vorbild von Erwachsenen erleben die Schüler wie sich die Menschen kraft ihrer Fähigkeiten auf der Erde eingerichtet haben.

 

Der Jugendfarm Elsental sind wir sehr dankbar, dass dieses Projekt des Hausbaus dort für uns möglich war.

Siegfried Mußler, Klassenlehrer der dritten Klasse

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